|
ein mega-vorhaben |
|
| von eva gabriel | |
| übertretung ist eine intellektuelle,
politische und kulturelle praxis. der selbst ernannte kärntner ideengroßindustrielle und aktionskünstler reinhard eberhart beherrscht sie ausgezeichnet. jetzt setzt er zum nächsten vorprogrammierten verstoß an. zum heurigen frühlingsbeginn wird er im klagenfurter mega-baumax in der feldkirchner straße eine kunstshow für massenkunstwerke aufziehen und verspricht: "es gibt kunst für die ganze welt zu baumax-preisen." kunsthungrige mäuler und saugkräftige märkte stopfen: eberhart will mehr als das. seine objekte, darunter das "graskonzentrationslager, der "nichtrauchen-erlaubt-aschenbecher", der "jacques-chirac-besen", das rexglas mit fünfzig schilling inhalt namens "ein stück österreich" oder die quietschvergnügte geldbörse, sollen in jeder wohnung landen. damit agiert der rastlose produzent mit den großen augengläsern ganz nach der prognose eines der kühnsten österreichischen kunsttheoretiker, peter weibel, der sagt: "das Bild als schmuckstück über dem sofa ist ohnehin passee." multitalent weibel, früher rockmusiker ("liebe ist ein hospital"), derzeit vor allem leiter des karlsruher zentrums für medienkommunikation, wird eberharts verkaufs-ausstellung auch eröffnen. die geste darf als auszeichnung verstanden werden. aber der mega-künstler, der sagt, stolz darauf zu sein, dass ihn der kärntner kunstverein nicht zu seinen mitgliedern zählt, wird seinem vorhaben doppelt gerecht werden. den mega-baumax wird er nämlich auch außen mit knapp-philosophischen, klatsch-artigen und schlagzeilen-mäßigen, kurz: im typischen eberhart-genre gehaltenen sinnsprüchen bestücken. zu rechnen ist etwa mit "konsequent inkonsequent" oder "kein geld verdirbt den charakter". ![]() die impulse, die eberhart da schaffen möchte, könnten klagenfurt durchaus gut tun: sie fordern das städtische verhalten heraus, indem sie die übliche öffentliche bedeutung des riesen-kaufhauses konterkarieren und haben nicht nur vor, zum "guten geschmack" beizutragen. |
|
| kleine zeitung, 15. februar 2001 |